Sticken für ein Kinderlächeln

Tjorven

Name: Tjorven Elias

geboren am: 22.März 2005

Mama und Papa: Nadine und Michael

Tjorvens Geschichte

Als ich im Juli 2004 von meiner Schwangerschaft erfuhr, waren mein Mann und ich erstmal platt.
Wir hatten bislang überhaupt nichts in Richtung Familie geplant, aber die Freude war dennoch riesengroß.
Da wir zu dem Zeitpunkt noch nicht verheiratet waren, ging die Planung für das Abenteuer “Familie” los.

Im November 2004 wurde Standesamtlich geheiratet, die Kirchliche Trauung sollte 1 Jahr später erfolgen, wenn meine Figur wieder Brautkleidtauglich war.
Wir waren rundum glücklich, die Schwangerschaft verlief bis dahin ohne jegliche Komplikationen.
Wir konnten unser Glück kaum fassen, doch leider traf uns die Realität mitten ins Gesicht.
Kurz vor unserer Hochzeit wurde bei meiner Mutter Krebs festgestellt. Das haute uns total aus den Latschen, denn eigentlich wollten wir doch Hochzeit feiern und unser Baby bekommen – die glücklichste Zeit im Leben genießen, …

Ich hatte kurz vor Weihnachten eine große Ultraschalluntersuchung. Dort wurde festgestellt, das mit unserem Baby alles bestens in Ordnung ist und wir haben traumhafte Bilder bekommen.
Wir wußten das es ein Junge wird und er Tjorven Elias heissen soll.

Leider verstarb meine Mutter einen Tag später und sie hatte nichts weiter von unserem Baby gesehen als die Ultraschallbilder.
Mich haute der Tod ganz schön aus dem Ruder, so das im Janunar Wehen einsetzten und eine Frühgeburt drohte.
Mein Arzt verordnete mir ab da – SCHONZEIT.
Ich hatte durch meinen Mann die beste Unterstütung die man sich vorstellen kann.

Im Februar kam dann der nächste Rückschlag – mein “Stiefschwiegervater” verstarb.
Das haute meinen Mann aus den Latschen.
Wir gaben uns gegenseitig Kraft, denn schließlich sollte unser Sohn bald geboren werden.

Was zu dieser Zeit sehr schön war, das meine Schwägerin ebenfalls schwanger war – nur eine Woche nach mir hatte sie Termin.
Wir telefonierten viel und tauschten uns aus.
Das war hilfreich, schön und eine gute Vorbereitung auf das Abenteuer Baby …

Am 22.März 2005 war ich 10 Tage über dem Termin und die Geburt wurde eingeleitet.
Erst gab es den Wehencocktail, ich hätte spuken können.
Ich hab den dann in den Ausguss gekippt, weil er mir überhaupt nicht bekam.
Hatte deshalb noch Zoff mit meinem Mann.
Ich dachte mir, was ohne Medizin reikommt, kommt auch ohne Medizin wieder raus.
Ich lag den ganz Tag gemütlich im Kreißsaal am CTG.
Nichts tat sich und ich dachte nur: Wann geht es endlich los???

Gegen 19:30 Uhr kam die Hebamme und sagte, das sie meinen Sohn gern noch kennenlernen wollte, sie aber um 21.00 Uhr Feierabend hat.
Naja, wie soll man in 1,5 Stunden ein Kind kriegen, wenn den ganzen Tag lang Flaute war?
HAHAHa schlechter Witz.
Sie untersuchte mich noch einmal, stieß gegen das Köpfchen von Tjorven und die erste Wehe rollte über mich ein.
Ich sah nur Sterne und dachte: jetzt geb alles, in 1,5 Stunden ist alles vorbei!!
30 Minuten später war Tjorven da!!!
Er war so süß und topmunter … Es war traumhaft im Kreißsaal, wir hatten Ruhe und Zeit um einander kennenzulernen.

Leider war er in dieser Nacht sehr zittrig und kam zur Beobachtung auf die Neugeborenenintensivstation.
Ich wurde nachts im Rollstuhl zu ihm gefahren.
Es war schlimm ihn so verkabelt im Brutkasten zu sehen und keiner war da, der meine Hand hielt, meine Tränen trocknete oder mich in den Arm nahm.
Ich saß allein mit ihm im Zimmer und durfte ihn noch nicht mal in den Arm nehmen.

Mein Mann kam sehr früh am nächsten Morgen und mit Tjorven wurden an diesem Tag etliche Untersuchungen gemacht.
Dann kam der nächste Schock: Im MRT wurde festgestellt, das Tjorven unter der Geburt einen Schlaganfall erlitten hat und wir uns drauf einstellten sollten, das er sein Lebenlang ein Bettlägriger Pflegefall sein wird.

Ganze vier Wochen lag Tjorven auf der Intensivstation.
Ich konnte und wollte mich nicht damit zufriedengeben das er nichts können wird, er war doch so ein süßes Baby dem man nichts ansah.
Ich klemmte mich, als wir wieder zu Hause waren, hinter den PC und suchte Adressen von Ärzten heraus, die mir vielleicht helfen konnten.

Wir reisten zu vielen Ärzten in gesamt Norddeutschland.
Überall gab es immer wieder ein Stück Hoffnung.
Paralell zu den Arztfahrten bekam Tjorven Krankengymnastik und Frühförderung.

Tjorven lernte im ersten Lebensjahr zu greifen und hatte eine sehr gute Rumpfkontrolle.
Die gesamte Familie überstütze uns.
Begleitete uns zu Arztfahrten, übte mit Tjorven und was das schönste bis heute ist:
er wird nicht als behindertes Kind gesehen, sondern als ein Junge der geliebt wird.

Mittlerweile ist Tjorven 5 Jahre alt.
Er geht mit großer Freude in den Heilpädagogischen Kindergarten und ist der Sonnenschein von allen.
In den letzten 5 Jahren lag Tjorven oft wegen Magen-Darm-Infekten im Krankenhaus, hatte eine große HNO-OP, eine Achillissehnenverlängerung (er trug danach 6 Wochen beide Beine im Gips), dreimal die Woche Therapie, zwei Reha-Aufenthalte und viele Termin bei Ärzten und Sanitätshäusern.

Tjorven hat als Hilfsmittel: einen Hochstuhl, einen Rollstuhl, ein Therapiefahrrad, Unterschenkelorthesen, einen Stehständer, ein Hörgerät, einen Talker, …..

Tjorven kann: krabbeln, alleine essen, sich in den Stand ziehen, in der Hocke sitzen, alleine spielen und alle Leute mit seinem Charme um den Finger wickeln.

Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, haben wir viel mit Tjorven gemacht und ich glaube, wenn wir nicht direkt nach der Geburt mit allem angefangen hätten, dann könnte er heut wirklich nichts.

Es gibt Momente da würde ich gern den Arzt aufsuchen, der uns gesagt hat Tjorven wird nichts können außer im Bett liegen und ihm Tjorven zeigen.
Aber was hab ich davon?
Wir erfreuen uns lieber an den Dingen die er kann, denn er ist ein liebeswertes kuscheliges Kind, das einem auf seine Weise soviel Liebe gibt.
Er ist unser Sonnenschein!!

Tjorvens Quilt ist fertig!



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