Sticken für ein Kinderlächeln

Laura

Name: Laura

geboren am: 29.09.1997

Mama: Pia

Geschwister: Dennis (27 Jahre), Annika (25 Jahre), Nina (18 Jahre) und Tanja (16 Jahre)

Lauras Geschichte

Am 29. September 1997 kam mein 5. Kind auf die Welt.
Laura hatte schon bei der Geburt mit einem Kopfumfang von nur 32 cm in der 42. Woche einen sehr kleinen Kopf.
Das wurde in der Geburtsklinik nicht weiter beachtet, schien
sie doch sonst völlig in Ordnung zu sein.
Nur dass sie nicht trinken wollte, fiel auf, doch meinten die Schwestern: “Das kommt noch!”
12 Stunden nach ihrer Geburt waren wir schon zu Hause.

Hier begann eine schreckliche Zeit.
Laura schrie und schrie und schrie, sie ließ sich überhaupt nicht beruhigen.
Sie trank nicht, stillen klappte überhaupt nicht und als ich dann aufgab und eine Flasche für sie zubereitete, saugte sie so schwach, dass wir für wenige Milliliter 1 Stunde brauchten.
Die Hebamme, die unsere Betreuung übernommen hatte, machte sich
Sorgen, aber der Kinderarzt beruhigte mich und meinte, Laura hätte
Blähungen.
Er verschrieb Kümmelzäpfchen und schickte uns nach Hause.
Und Laura schrie und schrie, sie war ganz steif und streckte Arme und Beine sehr stark durch, was der Kinderarzt als Schmerzspannung wegen Blähungen erkannte.

Nach ca 1 Woche, als sich noch nichts an Laura’s Zustand geändert hatte, ging ich mit ihr in die Kinderklinik.
Auch dort sagte man nach kurzer Untersuchung, sie hätte Blähungen und sei eben ein Schreikind.
Sie bekam mal wieder Kümmelzäpfchen und wir wurden nach Hause geschickt.
Und ich ließ mich immer wieder beruhigen, obwohl das kleine Würmchen vor Schmerzen Tag und Nacht schrie.

So ging das monatelang weiter.
Bei den Vorsorgeuntersuchungen sagte der Kinderarzt, den ich darauf ansprach, dass Laura noch nicht mal ihren Kopf heben konnte: “Ist doch klar, wenn sie nur schreit, dass sie nichts lernen kann.
Das kommt schon noch”!
Aber es kam nicht.

Als Laura 6 Monate alt war, immer noch ständig schrie und keinerlei
Entwicklung zeigte, war ich mit ihr bei meinem Hausarzt.
Erzählte ihm von unseren Besuchen beim Kinderarzt und auch mehreren Untersuchungen in der Kinderklinik, die alle keine Ergebnisse gebracht hatten, außer dass mir gesagt wurde, Laura sei gesund.
Er überwies Laura in die Neuropädiatrie.

Diesen Tag werde ich nie wieder vergessen.
Ich kann mich nicht an alle Begebenheiten erinnern, höre nur noch den Arzt sagen: “Ihre Tochter hat ein
Problem!
Das Gehirn…
Da ist nichts, da kommt nichts, die können Sie in die Ecke legen und vergessen.
Sie wird nie irgendwas lernen, dafür fehlt zu viel Gehirnmasse.
“Ich weiß bis heute nicht, wie ich nach Hause gekommen bin…

Jetzt begann eine Zeit der Therapie, die bis heute andauert.
Ich fand eine Krankengymnastin, die sich auf behinderte Kinder spezialisiert hatte.
Laura hatte eine starke Streckspastik, die durch die Therapie in mühevoller Arbeit teilweise gelöst wurde, so dass sie nicht mehr so starke Schmerzen hatte, die auch der Grund für ihr ständiges Schreien waren.
Sie wurde langsam ruhiger.

Als Laura 3 Jahre alt war, gab ich sie in einen heilpädagogischen
Kindergarten.
Es kostete mich viel Überwindung, sie dort zu lassen.
Ihre geistige Behinderung ist so stark, dass sie nicht sprechen kann.
So konnte sie mir auch nicht sagen, ob es ihr dort gefiel…
Heute weiß ich, dass ich mich sehr angestellt habe damals, aber es war für mich sehr schwer, sie auch nur für kurze Zeit aus den Augen zu lassen.

2002 musste sie operiert werden.
Die Sehnen in den Beinen wurden verlängert, weil die Hüfte drohte, rauszurutschen.
Während der Zeit im Krankenhaus weinte Laura wieder sehr viel.
Sie hatte Schmerzen und bekam obendrein auch noch eine Nierenentzündung.
Ihre Genesung dauerte lange, aber schliesslich war sie wieder das Kind, zu dem sie inzwischen geworden war:
Laura Strahlemaus!

Laura’s Vater bemitleidete sich selbst so sehr, weil er doch ein behindertes Kind hatte, dass er für mich sehr viel mehr Last als Hilfe war.
Wir trennten uns und er “vergaß” Laura, kümmert sich bis heute nicht um sie.

Die Ernährung war und blieb immer ein Problem.
Ich hatte den Anspruch, sie oral zu ernähren, egal wie lange das dauerte.
Aber irgendwann gestand ich mir ein, dass es nur noch Quälerei war, sie zu füttern.
Den ganzen Tag standen wir unter dem Druck, irgendetwas in Laura reinzubekommen.
Flüssigkeit war das größte Problem.

Also entschloss ich mich, ihr eine Magensonde legen zu lassen.
Diese
bekam sie 2007 und letztes Jahr 1 Reflux-Operation.
Ausserdem musste sie eine OP wegen ihrer Skoliose über sich ergehen lassen.
Nächsten Monat muss ihre Hüfte operiert werden.
Sie wird noch viele Operationen und damit verbunden
viele Schmerzen haben.
Trotzdem ist sie jetzt ein liebes, ausgeglichenes und oft lachendes Kind.
Ich kann mich zwar noch dran erinnern, wie die ersten
Jahre mit einem vor Schmerzen schreienden Kind waren, aber es ist doch schon sehr weit in den Hintergrund gewandert.

Wir leben jetzt, heute.
Nicht gestern und nicht morgen.
Ich hoffe, dass es noch viele Tage gibt, die ich mit Laura verbringen kann…

Ich danke euch schon mal im Voraus für die Mühen.

Liebe Grüße
Pia und Laura

Lauras Quilt ist fertig!



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