Sticken für ein Kinderlächeln

Lucas Maurice

Name: Lucas Maurice

geboren am: 11.02.2005

Mama und Papa: Patricia und Etienne

Geschwister: Lara Mailin (2 Jahre)

Luca Maurices Geschichte

Es begann alles mit einer ganz tollen Schwangerschaft.
Ich hatte nie Probleme, uns ging es prima.
Wir waren gerade dabei unserem wöchentlichen Geburtsvorbereitungskurs zu besuchen, als ich in der 35+6 SSW einen Blasensprung hatte – so konnten wir nur zwei mal dran teilnehmen, leider.

Ok, dachten wir… manche Babys wollen halt früher auf die Welt und so fuhren wir guter Dinge ins Krankenhaus.
Bald schon würden wir unseren kleinen Krümel bei uns haben dürfen – dachten wir.

Zu dem Zeitpunkt empfand ich alles positiv und freute mich einfach, das unser Baby bald da sein wird.
Da ich keine Wehen hatte, wurde eingeleitet.
Die Wehen kamen nach und nach und wurden irgendwann unerträglich. Ich kämpfe mich durch… irgendwie bekam ich damals nur die Hälfte mit, ich war total neben mir.
Es war mitten in der Nacht und ich hatte vorher nur 3 Stunden geschlafen, war vorher den ganzen Tag wach und während der Geburt schon total übermüdet.

Ich weiß, das die Hebammen von Infektion und übel riechendem Fruchtwasser sprachen, ich bekam sogar etwas Fieber und dann Antibiotikum (Cephalosporin)… nichts desto trotz ging der Kampf um eine natürliche Geburt weiter, ich wollte es so, denn ich wusste nicht, wie kritisch es zu diesem Zeitpunkt war!
Uns klärte keiner auf.

Nach 27 Stunden Wehen, bekam ich eine PDA gelegt, weil ich nicht mehr konnte.
Muttermund war zu dem Zeitpunkt gerade mal 5cm auf, der Blasensprung war 38 Stunden her.
In der nächsten Stunde entschieden die Ärzte, das eine sekundäre Sectio vorgenommen wird.
Laut CTG kam es zu Herzrasen.

Da lag ich also alleine im OP, mein Mann durfte nicht mit.
Es dauerte nicht lange und da hörte ich mein Baby schreien.
Na endlich, da war er also…
Leider rannten alle gleich weg mit ihm und ich bekam ihn nicht mal kurz zu sehen.
Ich wusste gar nicht was los war.
Ich lag dort, hatte 1000 Gedanken im Kopf und keiner sagte mir was.

Irgendwann erfuhr ich, das der kleine auf der Säuglingsstation von einem Arzt untersucht wird.
Er wäre blau, würde schlecht Luft bekommen, müsste also erst mal abgesaugt werden und hätte enorme Anpassungsschwierigkeiten.

Nach 45 Min im OP wurde ich dann in den Kreissaal geschoben, und wartete dort auf meinen Mann und meinen Sohn – keiner kam.

Während die Hebamme mir nicht von der Seite wich, kam mein Mann irgendwann.
Da sah ich schon, das irgendwas nicht stimmte.
Ich erfuhr dann, das der Rettungswagen schon da wäre, Lucas schon im Inkubator transportfertig ist und in das 10km entfernte Kinderkrankenhaus auf die Intensivstation transportiert wird.

In mir brach eine Welt zusammen, ich wusste noch nicht mal, wie mein Kind aussieht.
Hatte nur die dunklen Haare gesehen…
Er war 48cm groß, wog 2920g und hatte einen KU von 34cm, geboren am 11.2.05 um 20:09 Uhr.

Mehr erfuhr ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht.
Nur das er diese Anpassungsschwierigkeiten hätte und das er nicht gut Luft bekommt und verlegt werden muss.
Auf Rat der Ärzte sollte mir keiner was sagen, ich müsste mich erst mal von der Geburt erholen.

Ich war total deprimiert, lag nur im Bett und weinte … alle paar Stunden ging ich Milch abpumpen und sah neidisch anderen Müttern beim stillen zu.
Es war so ungerecht.
Ich weinte vor den Hebammen, auf der Station vor den Krankenschwestern – keiner konnte mir mein Leid abnehmen.
Alle sagten nur, es wäre nicht so schlimm und er würde bestimmt in den nächsten 1-2 Tagen zurück kommen in die Frauenklinik, in der ich entbunden habe.

Nach 2 Tagen stand ich auf, zog mich an und fuhr mit meinem Mann zum Kinderkrankenhaus … ich hatte es satt, auf „Nichts“ zu warten.
Nach 5 Tagen verließ ich das Krankenhaus.

Als ich mein Kind dort so verkabelt liegen sah, liefen mir nur noch die Tränen… er lag im Inkubator… und auch erst dort im Kinderkrankenhaus erfuhr ich, was bisher geschah.

Lucas wurde im Rettungswagen intubiert.
Im Krankenhaus bekam er zusätzlichen Sauerstoff und später eine Magensonde.

Er konnte nicht Fläschchen trinken.
Jedes Mal wenn man es versuchte und er gleichzeitig saugen/schlucken/atmen musste, fiel seine Sauerstoffsättigung unter 60%, außerdem verschluckte er sich ständig.

An stillen war nicht zu denken, ich pumpte die weiteren Wochen ab.

Es wusste keiner was er hatte.. evtl. waren die Lungen noch nicht ausgereift.
Vermutlich hat er auch was von dem infektiösem Fruchtwasser getrunken, zu dem war er ein Frühchen.
Er lag gute 3 Wochen auf der Intensivstation.
Die erste Woche im Inkubator, danach im Wärmebettchen.
Es war ein auf und ab, mal hielt sich die Sauerstoffsättigung bei 85%, am nächsten Tag war sie nur noch bei 70%.
Wir waren fertig mit den Nerven und wussten nicht was uns neues erwartet, wenn wir jeden Tag dort hin fuhren.
Irgendwann war es dann soweit…
Nach 4 Wochen Intensivstation konnten wir ihn mit nach Hause nehmen.
Er musste damals mindestens 95% Sättigung haben.
Das hat er geschafft.
Zu Hause schliefen wir im Wechsel…einer musste ja immer auf den Krümel aufpassen.
Wir hatten die ersten Monate wirklich Angst um ihn.
Mir ging es lange nicht gut.
Ich hatte mir so sehr alles anders gewünscht, eine Bilderbuchgeburt… ein traumhaftes Wochenbett mit meinem Baby…stillen… nichts davon hatte ich/wir.
Von Anfang an (als unser Kinderwunsch entstand) planten wir aber ein zweites Kind hinterher, und so geschah es dann… zum 1. Geburtstag meines Sohnes war ich schwanger und verdrängte lange das Erlebte, der ersten Geburt.
Es holte mich mit der Geburt meiner Tochter wieder ein (Lara Mailin – gesonderter Bericht)

Seit der Geburt unseres zweiten Kindes plagte mich irgendwie die Unwissenheit, was im Kreissaal alles geschah.
Ich konnte mich einfach nicht an alles erinnern.
So forderte ich meine Patientenakte ein und bekam einen Teil davon geschickt.
Den Teil, welchen die Hebammen schrieben, durfte ich nicht einsehen, aber den Krankenhausbericht.
Den Krankenhausbericht meiner Tochter schildere ich extra in ihrer Geschichte.
Dort stand z.B. das ich das Amnioninfektionssyndrom hatte und sofort nach der Einleitung mit einer peripartalen Antibiotikaprophylaxe begonnen wurde.
Außerdem war das Köpfchen weit über Beckeneingang, CTG wurde tachykard, so das der Chefarzt die sofortige Sectio indizierte.
Apgar: 8/9/10<
Atmung: Atemanpassungsstörungen, Knorksen<

Bei der Sectio steht:
Schwierige Lage eines lebensfrischen Neugeborenen aus Schädellage. Es handelt sich um eine dorso-posteriore Schädellage, der Rücken liegt weit mehr nach rechts.
Es wird sofort ein bakt. Abstrich aus der Amnionhöhle gewonnen.
Die Placenta geht zur Histologie.
Die peripartal begonnene Antibiotikaprophylaxe wird im Wochenbett fortgesetzt.
Ich wusste nie was davon.
Hätte ich mich nicht um meine Patientenakte bemüht, hätte ich es wohl nie erfahren.
Die ersten Wochen zu Hause waren sehr anstrengend.
Unser Schlafrhythmus war ein Chaos, wir „wachten“ im Wechsel über Lucas, das ihm ja nichts passierte.
Er trank alle 1,5 – 2 Stunden, 50ml Milch.
Ich pumpte parallel ab und bekam so kaum Schlaf.
Mit meiner Hebamme versuchte ich öfter Lucas anzulegen, ohne Erfolg. Er hatte einfach nicht die Kraft zum saugen.
Auch die Lochsauger der Flasche machten wir schon größer, da er sonst gar nicht trank, sobald es anstrengend für ihn wurde.
Er schlief sehr sehr viel.

Die nächsten Monate lief das so weiter.
Nach 3 Monaten hatte ich keine Milch mehr und musste ihm Pre füttern.
Das verlangte er aber auch weiterhin alle 2 Stunden und trank nur 50ml.
Wir gingen nirgends hin ohne Milchpulver und einer Isokanne warmes Wasser.
Mit 6 Monaten bekamen wir Krankengymnastik verschrieben.
Lucas konnte sich bis dahin noch nicht drehen und hob den Kopf auch nicht in Bauchlage.
Nach einigen Monaten machte er gute Fortschritte… als das also so gut wie geschafft war, kam die nächste Hürde.

Wir wollten mit 9 Monaten Beikost beginnen.
Es war schwerer als gedacht…. während meine Freundin ihrer 11 Monate alten Tochter schon Brot, Würstchen, Kekse, Zwieback und vieles andere gab, kämpften wir noch mit Frühkarotten ab dem 4. Monat.

Lucas akzeptierte einfach nichts im Mund.
Er bekam sofort einen Würgreiz, manchmal übergab er sich sogar.
Das ging lange so… organisch war aber alles in Ordnung.
Das hatten wir abklären lassen.
Er wollte einfach nicht.
Mit 14 Monaten klappte es so langsam mit Joghurt ohne Stücke.
Bis dahin hatte er nur die feinpürierten 4. Monats Gläschen gegessen oder Suppe, die ich ihm kochte.

Ich glaube, sein erstes Abendbrot – richtige Brotscheibe – hatte er erst mit 18 Monaten gegessen.
Kleine Würfelchen mit Frischkäse hatten wir ihm gemacht.
Ab da an klappte es ganz langsam.
Mit 21 Monaten wurde Lucas – Großer Bruder – seine Schwester Lara Mailin kam zur Welt…
Heute ist Lucas 4 Jahre alt.
Wir haben soweit keine großen Probleme mehr.
Er ist ein fröhliches Kind, geht gerne in den Kindergarten und ist sehr kontaktfreudig.
Leider ist er sehr oft krank, vermutlich liegt das mit seinem Start ins Leben zusammen, das er oft Atemwegsinfektionen hat.
Unser kleiner Sonnenschein musste als Baby soviel mitmachen, er ist für uns was ganz besonderes und wir sind einfach dankbar, das alles so ein glückliches Ende genommen hat.

NEUES VON LUCAS(Mai 2010)

Zu meinem kleinen Krümel ist nicht so viel zu sagen, wie bei Lara :) *Gott sei Dank*

Er ist in seiner Entwicklung genau richtig, pfiffig und aufgeweckt.
Das einzige was ihn an manchen Dingen halt hindert, ist ebenfalls (wie bei Lara), die Lungengeschichte.

Damit haben wir seit der Geburt halt Probleme und wir haben mal bessere, mal schlechtere Zeiten.

In den letzten Wochen war es sehr schlimm, auch wegen der Pollenzeit.

Er inhaliert mit kortisonhaltigen Medikamenten, mehrmals täglich.
Auch im Wechsel mit Antiasthmatikum.

Er hustet eigentlich fast immer … alle meinen, er wäre erkältet, wie ich denn ein krankes Kind immer in den Kiga schicken könnte.

Beim Turnen/rennen etc. muss er halt langsam machen.
Strengt er sich zu sehr an, bekommt er kaum Luft, dann folgen Hustenanfälle mit Würgreiz und irgendwann erbrechen.

Das geschah erst wieder vor ein paar Wochen und wir mußten ihn im Kindergarten abholen, weil sie angerufen haben … die haben dann halt auch Angst, wenn er in der Ecke sitzt und nicht mehr richtig atmen kann.

Müßen auch regelmäßig zum Arzt, Lunge untersuchen.

Wir haben zwar immer die Hoffnung, das verwächst sich noch … aber wir haben keine große Hoffnung, denn mein Mann nimmt auch täglich Medikamente gegen sein Asthma … und das seit Kindertagen.

Wir können wirklich nur hoffen, das es nicht schlimmer wird.
Er kommt nächstes Jahr in die Schule und hat dort keinen, der ihm Händchen hält, dann muss er selber aufpassen das er sich nicht übernimmt.
Und das macht mir wirklich Angst, das er dann irgendwo mit Atemnot in der Ecke liegt.

Die Bronchien sind fast immer zu.
Nach dem inhalieren geht es.

Bald fahren wir ein paar Wochen an die See – die Seeluft wird ihm gut tun.

Lucas Maurices Quilt ist angekommen!

“Hallo ihr lieben,

gestern kamen unsere Decken und wir waren hin und weg.

SUPER WUNDERSCHÖN!

Natürlich sind die Kinder zur Tür gerannt, als der Postbote geklingelt hat :d und dann ging es auch schon an’s Auspacken … fast!
Erstmal Tisch wegschieben und ein Foto für euch machen … es wurde gemeinsam ausgepackt … dann hatte endlich jeder sein eigenes zum Auspacken.
Dank der Farben gut erkennbar.
Lucas war schneller.
Und mußte sie gleich komplett anschauen …
Er hat sich gar nicht so richtig getraut …
Lara war auch skeptisch, erstmal gucken …
Dann wurden noch mehr Fotos gemacht …
“dürfen wir die Decken wirklich auf den Boden legen?” JA!
Danach wurden die Decken auch getauscht … jeder wollte mal auf der anderen kuscheln …
Zum Schluß haben wir uns alle auf’s Sofa gekuschelt und haben uns eure Briefe und Karten angeschaut und vorgelesen.
Bei den einen liefen Tränen, bei den anderen mußten wir lachen.
Ihr seid wirklich so toll, wir wissen gar nicht, wie man da DANKE sagen soll…

Ins Bett müssen sie ab jetzt auch mit…

Die Kinder wollten auch DANKE sagen:



Sticken für ein Kinderlächeln benutzt Wordpress.