Sticken für ein Kinderlächeln

Saskia

Name: Saskia

geboren am:

Mama und Papa: Ines und Achim

Schwester: Patrick , Björn , große Schwester und Jasmina

Saskia´s Geschichte

Saskias Mama wollte dieses Kind unbedingt.
Als diese im 7.ten Monat schwanger war, lernten wir uns kennen und von da an verband uns eine Art Freundschaft.
Die Mama fühlte immer wieder einen Knoten in der Brust, der nicht weg ging, doch sie sagte niemandem ein Wort.
Wir ermahnten sie, dieses doch untersuchen zu lassen, aber sie meinte nur —- später, erst muss mein Kind geboren werden.

Der Zeitpunkt der Geburt rückte näher und näher.
Endlich war es soweit und ich begleitete sie ins Krankenhaus.
Dort angekommen meinte die werdende Mama: „Bitte bleib, geh nicht weg“.
Ich blieb — Stunde um Stunde verging, es war keine leichte Geburt. Arzt, Hebamme und Krankenschwester drückten zum Schluß das Kind aus dem Bauch.
Die hingen doch wahrhaftig alle so halb auf und über der Mama und drücken und pressten und überhaupt.

Plötzlich was das Kind da — blonde Engelslocken, wasserblaue Augen —- ein Wonneproppen, einfach süß.
Meine Freundin war nicht wirklich ansprechbar, dafür war ich um so entzückter — Gott war das ein süßes Baby — ein Mädchen, was aussah wie diese kleinen „Puttenengelchen“.
Die Kleine schrie kaum, sie lächelte nur – so schien es jedenfalls.
Die Hebamme meinte dann, na – sie sind ja schon Dreifachmama, dann baden sie die Kleine doch einfach und anziehen könnten sie die kleine Maus doch auch, oder?
Äh, ja – da stand ich nun, schaute meine Freundin an, die nickte nur und meinte mach mal, ich kann doch eh nicht.
Also badete ich dieses Menschlein, zog es an, wickelte es in eine Decke und saß schließlich mit dem Kind neben der frisch gebackenen Mama und wartete darauf ihr das Kind in den Arm legen zu können.

Doch es passierte nichts, es kam immer nur — mir geht es so schlecht, ich kann noch nicht, gib mir noch Zeit.
Ich weiß heute nicht mehr wie lange ich so da saß.
Die Hebamme nahm mir irgendwann die kleine Maus ab und schickte mich nach Hause zu meiner Familie, da mir im sitzen schon fast die Augen zufielen, so müde war ich, so lange hat die Geburt doch gedauert und es war schließlich das Kind meiner Freundin, nicht meines.

Nach der Entlassung nahmen wir Mutter und Kind bei uns auf, da sie mittlerweile keine Wohnung mehr hatte, sich vom Kindesvater getrennt hatte.
Meine Freundin nahm ihr altes Leben wieder auf, vermisste sie doch zu sehr feiern zu gehen, Tanzen, Partys und vieles mehr.
Die kleine Maus entwickelte sich nicht so wie andere Babys, sie schrie viel, schwitzte viel, schlief kaum, lief vom großen Zeh bis zum Bauchnabel blau-lila an, behielt kaum Nahrung bei sich und wenn man sie auf den Arm nahm, machte sie sich stocksteif.
Es war ein ständiger Kampf.
Was hatte das Kind nur?
So ging es nicht weiter, die Mama ständig unterwegs und wir kümmerten uns um IHR Kind, trotz drei eigener Kinder.
Fazit, sie zog nach sieben Monaten in eine eigene Wohnung, doch die Kleine entwickelte sich weiter problematisch.
Kaum Körperkontakt, Schrei- und Wutanfälle, Ernährungsprobleme, Wachstumsprobleme und das soziale Verhalten war eine Katastrophe.
Als die Kleine im Kindergartenalter war stellte man dann fest, das die Mama Krebs hat.
Es folgte eine Odyssee von Irrwegen, OPs, Chemos und vielen Dingen mehr.
Das ging über Jahre hinweg.
Doch leider war der Kampf nicht zu gewinnen.
Zum einen die schwere Krankheit der Mama und zum anderen das so schwierige Verhalten des Kindes.

Als die Mama uns anrief und uns um Hilfe bat, waren wir sofort zur Stelle.
Wir holten die Kleine zu uns und begleiteten die Mama bis zum Schluß.
Niemand unterstützte uns oder das Kind auf diesem schweren Weg. Alles machten wir alleine.

Die Mama feierte ihren Geburtstag im November 2002 noch im Krankenhaus und am 21.12.2002 erhielten wir dann in aller Frühe einen Anruf.
„Bitte kommen sie ins KH“ „Sie können aber alles in Ruhe angehen lassen, Frau ….. ist bereits um …. In der Nacht Verstorben, in Rücksicht auf das Kind haben wir es vorgezogen erst jetzt anzurufen“.

Wie jetzt?
Tot?
Sassi wollte doch heut ihre Mama besuchen!!!!
Ich ging ins Kinderzimmer, es war 06:50 Uhr, betrachtete das noch schlafende Kind — was mach ich jetzt, wie sag ich einer 8-jährigen was passiert ist, warum wir jetzt in die Klinik müssen?
Ich dachte der Boden unter meinen Füßen gibt nach, die Decke stürzt ein, doch nichts passierte.
Ich weckte die kleine Maus mit den Worten: „Wir müssen zu Mama“, „Die ist eingeschlafen, weißt Du?“
Immer mehr Versuche von Erklärungen kamen über meine Lippen, doch auch mein Mann erreichte das Kind nicht — wir verstanden die Reaktionen des Kindes nicht — und das Kind verstand nicht, was wir meinten/wollten.
Null Reaktion.
Wir waren so hilflos.
Wieder war das Kind allein obwohl wir nach Hilfe und Unterstützung suchten.

Auch die Beerdigung war ein Problem.
Nein, nicht für Sassi, sondern für alle anderen.
Sassi wirkte cool, nüchtern, ja fast gelangweilt.

Kurz und gut, jetzt lebt sie bei uns und sie ist immer noch genauso schwierig wie damals bei ihrer Mama.

Heute wissen wir warum, sie kann nicht anders empfinden, für dieses Kind zählt nur das HIER und JETZT.
Auch wir sind im Prinzip austauschbar, genau wie ihre Mama.
Wir sind zwar für sie „Mama und Papa“, doch das heißt nicht viel, denn seit 2006 wissen wir was mit dem Kind los ist.
Dieses kleine süße Mädchen hat das „Fetale Alkoholsyndrom“.
Was das bedeutet ist schwer zu erklären.
Sie wird kaum in der Lage sein alleine zu Leben, eine Ausbildung zu absolvieren, sie benötigt ein externes Gehirn, sie braucht eine 24/7 Betreuung jeden Tag.
Trotz Bildern von ihrer Mama hat sie die Vergangenheit nicht abgespeichert.
Bis auf eine Sache und die lässt sie immer wieder strahlen.
„Diddl und Pimboli“ sind ihre Begleiter aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart.
Mit diesen Figuren halten wir zumindest einige wenige Erinnerungen lebendig.
Und eine weitere Rolle spielten die Figuren von den „Tiny Beanies“, die hat sie gesammelt und Ihre Mama hat kurz vor ihrem Tod uns sogar noch gebeten eine dieser Figuren für Weihnachten zu besorgen.
Heute noch ist es möglich zumindest Sassi – ihre Mama und die Vergangenheit über diese drei (Diddl, Pimboli und Tiny Beanie Babys) nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Deshalb wünschen wir uns für unsere Maus einen Quilt dieser Kinderlächeln – Aktion.
Was sollen wir noch sagen, manchmal wenn die Maus schläft, gehe ich ins Kinderzimmer, betrachte sie und frage mich trotz allem mittlerweile erlangten Wissen: „WARUM“ , warum hat die Mama nicht auf uns gehört, warum ausgerechnet dieses Kind, warum hat niemand vorher geholfen …. Warum nur.

Liebe Grüße
Inis, Achim und auch die großen Kinder sowie Saskia



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